Die Holzkohleproduktion unserer Nachbarin

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KoratCat
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Die Holzkohleproduktion unserer Nachbarin

Beitragvon KoratCat » 9. Okt 2015, 16:20

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Unsere Nachbarin Bangöön betreibt eine Holzkohleproduktion. Ihr schöner Name bedeutet Zufällig. Hier sehen wir sie mit ihrem Enkel, der heißt Püün, das bedeutet Schiessgewehr. Im Hintergrund qualmt es. Da läuft die Holzkohleproduktion. Zum Glück weht der Wind den Gestank immer in Richtung einer weiteren Nachbarin, mit der wir nicht das beste Verhältnis haben. So habe ich kein Problem mit Bangööns Holzkohleproduktion und kann euch locker darüber berichten.

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Auf diesem Gelände läuft die Produktion. Vorne sieht man zum Trocknen ausgelegte Holzkohle und hinten, wo es qualmt, hat Bangöön drei Erdlöcher, ich nenne sie mal Kohlenmeiler. Leider habe ich keine Ahnung von Holzkohle und weiß auch nicht, wo die sonst herkommt. Ich beschreibe hier nur mit eigenen Worten, was ich gesehen habe. Auf dem Foto ist das Gelände ziemlich leer. Normalerweise liegt überall alles voller Holz. Wie sie an das viele Holz kommt, weiß ich nicht genau. Ich glaube, dass sie es nur in seltenen Fällen kauft. Ich weiß aber, dass in unserer näheren Umgebung kein Baum vor Bang Öön sicher ist. Wie ich auch ansonsten feststellen konnte, sehen Thais in Bäumen keine schützenswerten Naturerscheinungen. Absägen ist keine Schande. Obwohl der König da anders denkt. Deshalb ist auch der Besitz einer Motorsäge dem gemeinen Thai verboten. Man braucht dafür so eine Art Waffenschein. Allerdings weiß Bangöön auch, dass der König sich nicht um alles kümmern kann. Oft stehen Bäume auch einfach im Weg oder drohen bei Blitzschlag oder Orkan aufs Haus zu fallen oder sie machen einfach nur Dreck. Es fällt ja immer was runter. Gründe gibt es genug. Dann kommt Bangöön. Sie sägt die Teile so klein, dass sie auf ihren Handwagen passen und ab nachhause. Wenn allerdings das Absägen eines Baumes zu Problemen führen könnte, dann sägt sie eben nur die Äste ab. Dann sehen die Bäume so wie auf dem Foto aus. Von der Sorte gibt es bei uns ganz viele.

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So sieht es normalerweise auf dem Grundstück aus. Es werden aber auch ganz dicke Stämme verarbeitet. Die sägt Bangöön alle selber mit der Hand. Das geht schneller als man denkt.

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Die Sägen, die sie benutzt sind alle sauscharf. Das Schärfen macht sie nicht selbst sondern gibt sie bei einem Spezialisten in Auftrag. Das erstaunt mich. Denn sie würde niemals eine Schaufel kaufen, weil man auch mit einem Blechteller graben kann. Eine scharfe Säge ist also wohl sehr wichtig, wenn man Holzkohle machen will.

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Außerdem braucht man dieses Zeug. Das ist die Spreu vom Reis oder so was Ähnliches. Das scheint billig zu sein, denn sie kauft immer einen ganzen Lastwagen voll davon. Das lagert dann abgedeckt auf ihrem Gelände, ich nehme an, das Zeug soll nicht nass werden oder bei Sturm nicht wegfliegen.

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Und man braucht trockene Blätter.

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Die Blätter kehrt Bangöön auf dem Boden und auf der Strasse zusammen. Sie nimmt meistens diese etwas länglichen Blätter vom Bambus oder auch ähnliche von einem anderen Baum. Ich habe aber auch schon gesehen, dass sie statt der Blätter eine Art Stroh verwendet. Das könnten die Stengel vom abgeschnittenen Reis sein. Meisten sehe ich aber Berge von Blättern herumliegen.

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Hier sehen wir wie Bangöön in einer von ihren drei Gruben Holz aufstapelt. Die Gruben sind von einem Wall der ausgehobenen Erde umgeben und werden immer neu verwendet. Sie sehen aus wie kleine schwarze Krater. Die Erde ist schon kohlenschwarz von früheren Brennvorgängen.
Dann wird ein Stapel von dem Holz, das zur Holzkohle werden soll, in der Mitte des Kraters aufgebaut. Das ist sehr wichtig, wie das Holz gestapelt wird. Sie macht das immer sehr sorgfältig. Alle Hölzer müssen die gleiche Grösse haben. Das leuchtet mir ein. Wenn es dicke und dünne Holzstücke gleichzeitig wären, würden sie wohl nicht gleichmässig verkohlen. Sie entscheidet also vorher, ob dicke oder kleinere Holzkohlestücke produziert werden sollen.

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Auf die schön gestapelten Hölzer kommen die Blätter drauf.

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Das muss auch sehr sorgfältig gemacht werden. Sie verteilt die Blätter gleichmässig und in bestimmter Schichtdicke. Wie wir sehen, lässt sie vorne am Holzstapel eine freie Stelle.

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Jetzt kommt auf die Blätter eine Schicht von diesem Spreu von den Reiskörnern.

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Auch diese Schicht wird schön gleichmässig verteilt.

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Vorne bleibt weiter offen, denn da wird gleich angezündet.

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Womit angezündet wird ist ja klar, mit einem Stück Gummi vom Lastwagenreifenschlauch. Sogar damit ist sie sparsam, das Stück wird in genau der richtigen Grösse zurechtgehackt.

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Dann kommt das brennende Stück Gummi vorne unter die ersten Hölzer.

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Jetzt qualmt es auf jeden Fall schon mal und es stinkt.

Während vorne das Anbrennen Zeit braucht, kommt hinten schon mal die dritte Schicht auf den Haufen, das sind wieder die Blätter.

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Dann kommt hinten Erde drauf. Nämlich die von dem Kraterwall ringsherum. Die letzte Schicht. Vorne bleibt offen, da fehlen jetzt also vier Schichten.

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Hier sieht man wie Bangöön wartet bis das Holz zufriedenstellend angebrannt ist. Dann kommt vorne zuerst Streu und wird fein verteilt. Mir fällt jetzt erst auf, dass nach der Methode vom hinteren Teil des Hügels erst Blätter drauf kommen müssten. So wichtig, wie Bangöön bei der Fotosession getan hat, scheint die Schichtensache also doch nicht zu sein. Oder sie hat in der Aufregung als Fotomodell für das Korat Info Forum im lnternet einfach die Blätter vergessen

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Jedenfalls kommen vor der Erde genau wie hinten erst nochmal Blätter.

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Und dann die Erde

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Und fertig! Drei Tage soll so ein Haufen dann kokeln bis die Kohle fertig ist.


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So qualmen die Hügel vor sich hin. Das Foto zeigt zwei, der hintere Hügel ist schlecht zu sehen.

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Hier sehen wir Bangöön vor dem Ausgraben der Kohle aus einem erloschen Mailer, zusammen mit ihren Wekzeugen nämlich von rechts der Wassereimer, die Giesskanne zum Ablöschen noch vorhandener Glutnester, den Blechteller zum Graben, ein Bottich voll Wasser, in den die ausgegrabenen heissen Kohlestücke geworfen werden und der Korb, in dem die nasse Holzkohle gesammelt wird.

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So sieht die Holzkohle von den Knüppeln aus, die wir vorher vergraben haben.

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So sieht die Holzkohle von dickeren Holzstücken aus

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Die Holzkohle wird getrocknet

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Das sind ganz kleine Holzkohlespitter. Die sammelt sie auch, ich weiss aber nicht für was die verwendet werden.

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Das ist die richtige Größe für Holzkohle zum Kochen und Grillen, die kommen in kleinere Säcke, die größeren Stücke kommen in größere Säcke.

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Das ist Bangööns Lager, scheint gut gefüllt.

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So und Ende. Hoffe, es waren nicht zuviele Bilder und das Anschauen hat Spass gemacht.

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