Der Lak Muang in Korat

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Der Lak Muang in Korat

Beitragvon KoratCat » 17. Okt 2015, 12:59

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Die Geisterhäuschen vor den Häusern sind in Thailand unübersehbar. Etwas seltener sind die kleinen Häuschen, die den Schutzgeistern aus einem bestimmten Anlass errichtet wurden. Sie befinden sich oft an unfallträchtigen Stellen, wie zum Beispiel an Bahnübergängen und abschüssigen Straßen, wo ein tödlicher Unfall passiert ist. Kleine Tempelchen befinden sich auch in vielen Dörfern, um den Schutzgeistern eine Wohnstatt bereit zu stellen, damit sie über das Dorf und die Felder wachen und an jeder großen Kreuzung werden Blumenkränze angeboten, die die Geister dazu veranlassen sollen, Unfälle zu verhüten. Oft sieht man auch irgendwo an einem Baum, einem Zaun, in einem Stall, an der Spitze eines Bootes oder am Türgriff eines LKW ein farbiges Tuch oder ein buntes Kleidungsstück flattern. All diese Dinge dienen dazu die Geister gnädig zu stimmen, damit sie jegliches Unheil abwenden.

Einer der größten und wichtigsten Geister in Thailand sind die örtlichen Wächtergeister, denen in vielen Städten, meistens im Zentrum, seltener vor dem Rathaus, ein besonders schönes Tempelchen errichtet wurde. Dieser kleine Tempel Lak Muang oder auch Lak Mueang genannt, ist ein Relikt aus der Zeit, bevor der legendäre König Chulalongkorn 1868 den Thron bestieg.

Bis dahin waren die Provinzstädte, Mueang genannt, weitgehend autonom. Um ihre Macht zu demonstrieren, errichteten die örtlichen Politiker in Anlehnung an den Animismus (Geisterglauben) einen Tempel für den Dschao Phor Lak Mueang, dem höchsten Wächtergeist der Stadt, dem, vermutlich sogar bei jedem Wechsel der Politiker, gehuldigt wurde. Die Bezeichnung Mueang hat sich, trotz der politischen Änderung zu Gunsten der Zentralregierung in Bangkok, bis in unsere Zeit erhalten. Wenn heute die Bezeichnung Muang verwendet wird, dann ist immer der alte Stadtkern einer Provinzhauptstadt gemeint.

Die Wohnstätte dieser Geister ist in der Regel eine Säule, auch Stadtpfeiler genannt, aus Holz. Ziegel oder Stein. Bei der Errichtung soll es nach nicht bestätigter Überlieferung in früheren Zeiten sogar zu Menschenopfern gekommen sein.

In Korat befindet sich der Lak Muang auch im Zentrum der heutigen Altstadt. Einige male bin ich schon an diesem Tempel vorbei gefahren und meine thailändische Begleitung hat beim Passieren jedes mal die Hände zum ehrfurchtsvollen Wai erhoben. Im Gegensatz zu manch anderen kleinen Geistertempelchen, ist dieser immer sauber und gepflegt. Wahrscheinlich veranlassen das die Politiker der Stadt, denn der hier wohnende Wächtergeist wacht ja nicht nur über die Stadt, sondern auch über die Politiker und ihr Wohlergehen.

Heute nehme ich mir die Zeit und mache mich auf den Weg zu diesem Tempel. Leider habe ich nicht bedacht, dass Samstag ist und in diesen Tagen das jährliche Fest zum Gedenken an die Volksheldin und Schutzpatronin der Stadt, sowie der Provinz stattfindet. Deshalb finde ich in der Nähe des Tempels keinen Parkplatz und muss bei jetzt schon 38 Grad einige hundert Meter laufen. Dabei ist heute erst der 22. März 2008. In Deutschland ist Karsamstag und die Temperatur soll da bei 12 Grad herum liegen. Ich darf nicht daran denken, sonst werde ich neidisch.
Der Tempel steht mitten im Geschäftsviertel auf einem Eckgrundstück und ist rückseitig von hohen Wänden umgeben. Als gerade einmal keine störenden Fahrzeuge die Sicht versperren, schieße ich von der gegenüberliegenden Straßenseite eine Aufnahme. Dann begebe ich mich in den kleinen Tempelbezirk, wo mich ein männlicher und ein weiblicher Wächter freundlich anlächeln. Die Stadtgeister, die die Stadt bewachen und schützen sollen, haben also auch Wächter, die auf sie aufpassen.

Mangels Verständigungsmöglichkeit zeige ich den Aufpassern meinen Fotoapparat, werfe einen kleinen Geldschein in einen riesigen Sammelbehälter und lächele. Als ich dann das Objektiv auf beide richte, lächeln sie zurück und das Eis ist gebrochen.

Nach einigem hin und her erfahre ich, dass die auf einem quadratischen Steinsockel stehende Säule, das wichtigste Requisit, nicht aus Holz oder Stein, sondern aus Bronze ist. So ohne weiteres kann man das gar nicht sehen, denn am Fuß ist die Säule rundherum mit einem Ring umhüllt, der von den Bittstellern zentimeterdick mit Goldplättchen beklebt ist. Etwas beinahe 3 Meter wird die Säule hoch sein und da sie rundherum mit Blumen und bunten Tüchern geschmückt ist, ragt die abgerundete und oben vergoldete Spitze nur etwa 30 cm aus der bunten Umhüllung.

Schön sieht sie aus. In Korat muss der hier wohnenden Schutzgeist der Stadt allerdings seinen Wirkungskreis mit der berühmten Thao Surannaree teilen, die in etwa 800 m Entfernung ebenfalls über die Stadt und ihre Bewohner wacht. Offensichtlich ist diese Aufgabenteilung nicht problematisch, denn auf einer der rückwärtigen Wände sind auf einem etwa 10 x 15 Meter großem Relief wichtige Episoden aus dem Leben dieser berühmten Frau dargestellt. Offensichtlich arbeitet also der Stadtgeist und seine Kollegin gut zusammen. Wahrscheinlich ist das eine einmalige Symbiose in Thailand. Sicher ist diese Konstellation auch ein Beweis dafür, dass die Bevölkerung des Isaan und ganz besonders die Korater, immer schon gerne ihr eigenes Süppchen gekocht haben.

In ihrem schmucken Umfeld fällt mir die wichtige Säule des Stadtgeistes erst überhaupt nicht sofort als Mittelpunkt ins Auge. Vielmehr wandern meine Blicke zuerst zu einem reich geschmückten Hausaltar, vor dem Kerzen brennen und Räucherstäbchen glimmen.

Wenn man sich die folgenden Bilder betrachtet, könnte man anhand der vielen chinesischen Schriftzeichen und der Ballonlampen annehmen, dass man sich in einem chinesischen Tempel befindet. Das ist jedoch nicht der Fall. Die in Korat ansässigen chinesischen Geschäftsleute haben nur das Geld für den Tempel bereit gestellt und dürfen auch weiterhin im Auftrag der Stadt für ihn sorgen. Überhaupt dominieren hier in Korat auch heute noch in der Geschäftswelt die Thais chinesischer Abstammung und tragen sehr viel für das kulturelle Leben und dem Wohlergehen der Stadt bei.
Inzwischen ist es noch wärmer geworden. Vermutlich leidet sogar der Stadtgeist unter der Hitze. Deshalb hat man ihm seitlich neben dem Tempel einen großen Geisterbaum zur Verfügung gestellt, in dessen Geäst ein eventuell aufkommender Wind ihm etwas Kühlung bringen kann. Es ist eben an alles gedacht, damit der guten Geist sich hier wohl fühlt und nicht das Weite sucht.

In anderen Städten Thailands findet man ebenfalls einen Schrein für die Stadtgeister. Zwar sind alle individuell in Größe und Form unterschiedlich, doch alle erfüllen den gleichen Zweck. Die Menschen müssen behütet und geschützt werden und das kann weniger die Polizei und die Politiker, als die guten Geister.

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Gepostet am 04 Mai 2009 von Werner Schwalm

Gepostet am 23 Mär 2008 13:13 Uhr von Werner Schwalm

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