Reisanbau im Isaan

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KoratCat
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Reisanbau im Isaan

Beitragvon KoratCat » 16. Okt 2015, 16:13

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Im Juli, wenn die ersten Monsunregen auf die ausgedörrten Reisfelder im Isaan nieder gegangen sind, ist Pflanzzeit. Im Gegensatz zu der fruchtbaren Zentralebene Thailands, wo in der Landwirtschaft große Felder dominieren, die maschinell bearbeitet werden können, gibt es im Isaan fast nur kleine Felder, die von einem Erdwall umgeben, nur sehr mühselig manuell bestellt werden können. Diese Erdwälle sind erforderlich, um das Wasser zu regulieren. Nach den ersten Regenfällen wird dieses kostbare Nass in die am tiefsten gelegenen Felder geleitet. Hier wird, sobald wie möglich, das Saatgut ausgebracht, welches nach etwa drei Wochen bereits 20 bis 30 cm hoch ist.

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Inzwischen sind die anderen brach liegenden Felder gepflügt und so vorbereitet, dass die jungen Setzlinge aus den Saatfeldern eingesetzt werden können. Oft geschieht das Pflügen noch mit einem kleinen Pflug, der von Wasserbüffeln oder gar manuell gezogen wird, meistens mit einem kleinen zweirädrigen Motorpflug, der mühsam von den Reisbauern durch den schlammigen Boden gelenkt wird.

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Je nach der vorhandenen Wassermenge werden jetzt die kleinen Felder nach und nach von Hand bepflanzt, wobei jeweils einige wenige der jungen Pflanzen aus den Saatfeldern im Abstand von etwa 30 bis 40 cm in die überschwemmten Böden gepflanzt werden. Vorher jedoch, wird der Boden mit einer Egge noch einmal aufgebrochen und mit Wasser vermischt, so dass die Setzlinge sozusagen später mit den Wurzeln in einem breiigen Schlamm gesetzt werden. Auch bei diesem Vorgang werden Wasserbüffel eingesetzt, doch nicht selten sieht man auch, dass die Reisbauern eine kleine Egge manuell hinter sich her ziehen.

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Dann wird gepflanzt. Was sich dem Betrachter als ein höchst malerischer Anblick darstellt, wenn einzelne oder gar viele Menschen mit Strohhüten bedeckt mit nackten Füßen gebückt auf den überschwemmten Feldern stehen und den Boden bestellen, ist reine Knochenarbeit.

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Die Bestellung der vielen kleinen Reisfelder im Isaan zieht sich über mehrere Wochen hin. Immer wieder werden neue Saatfelder angelegt und es wird solange ausgepflanzt, bis auch das letzte Fleckchen Erde ausgenutzt ist. So kommt es, dass auf einigen Feldern der Reis schon in der Blüte steht und sich Rispen bilden, wohingegen das benachbarte Feld noch brach liegt oder gerade erst bepflanzt wurde. Durch diese Zeitversetzte Anpflanzung, die auch auf mangelnde Arbeitskräfte zurückzuführen ist, entstehen weniger Ernteverluste, die aus den oft im Isaan vorkommenden ungünstigen Wetterlagen durch Überschwemmungen oder Dürrezeiten resultieren.

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Manchmal sieht man am Rand der Reisfelder eine kleine Hütte. Die dient tagsüber zum Schutz, wenn ein heftiger Regenschauer herunter kommt, aber auch als nächtliche Unterkunft, wenn die Reisfelder weitab des Dorfes liegen.

Etwa drei bis vier Monate dauert es, bis der Reis geerntet werden kann. Das ist für die Reisbauern eine etwas ruhigere Phase, in der lediglich der Wasserstand auf den Feldern reguliert werden muss. Nach starken Regenfällen müssen die kleinen Dämme der Reisfelder angestochen werden, damit das überschüssige an Wasser abläuft, regnet es zu wenig, muss Wasser herangeführt werden und wenn dann keins vorhanden ist, vertrocknen die Reispflanzen.

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Die Reisernte ist ebenfalls wie das Pflanzen eine mühsame Knochenarbeit. Unbegreiflich für mich, weil der Reis nach Ansicht der hier lebenden Menschen eine Seele hat, wird manchmal noch jeder Halm einzeln mit der Sichel geschnitten.

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Den ganzen Tag stehen vom frühen Morgen bis zum Abend die Menschen gebückt auf den Feldern, schneiden die Halme und legen sie zum Trocknen einige Tage in lange Reihen aus. Oder das Stroh und der Reis werden von Hand getrennt und die ungedroschenen Körner zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet.

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Da bei der Ernte die Halme mit den Ähren über dem Boden abgeschnitten werden, sehen sieht man jetzt überall braune Stoppelfelder, auf denen manchmal noch die geschnitenen Halme auf den Abtransport warten.

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Gedroschen wird dann meistens in einer Reismühle mit einfachen Maschinen. Vielfach wird aber auch von Hand gedroschen und durch Hochwerfen die Spreu vom Korn getrennt. Der jetzt in Säcke abgefüllte Reis wird entweder verkauft oder für den Eigenverbrauch in dem bei jedem Haus stehenden Reishäuschen aufbewahrt.

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Leider sind es nur sehr wenige Reisbauern, die nicht verschuldet, ihre komplette Ernte in ihrem Reishäuschen solange aufbewahren können, bis zu einem späteren Zeitpunkt bessere Preise erzielt werden können.

Da Reis und Grünzeug vielerlei Art der Hauptbestandteil der Nahrung ist, dessen Kohlenhydrate jedoch sehr schnell verbrannt werden, bzw. weil die essbaren Kräuter und Blätter dem Körper lediglich Mineralstoffe und Vitamine liefern, sieht man die Menschen oft beim Essen. Dann hocken sie im Schatten eines Baumes, stopfen sich mit den Händen den Reis in den Mund, halten ein Schwätzchen und erholen sich etwas von der harten Arbeit. Auch das sieht sehr malerisch aus und kaum ein unbedarfter Zuschauer wird empfinden, dass diese Menschen hier Tag für Tag ums reine Überleben kämpfen.

Auch ich habe bislang nur das exotisch schöne am Landleben der Reisbauern im Isaan empfunden. Liegen doch zwischen der Zeit des der Saat und der Ernte große Zeiträume in denen kaum oder nicht auf den Feldern gearbeitet werden kann. Dann verrichten die Frauen die wenige Hausarbeit, kümmern sich um die Kinder oder halten ein Schwätzchen und die Männer dösen im Schatten ihrer Häuser in ihrer Hängematte.

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Vielleicht, so könnte man denken, könnten sie ja auch mal an ihren oft alterschwachen Behausungen arbeiten und diese etwas renovieren. Doch das geht nun leider nicht, denn um teueres Holz, einige Steine, Sand und Zement zu kaufen, ist kein Geld da und der Ernteerlös ist wegen der meistens hohen Verschuldung schon aufgezehrt, bevor der Reis geerntet ist und verkauft werden kann.

Während der Ruhezeiten in die großen Städte gehen und da arbeiten? Manche tun es, doch weil sie nichts anderes gelernt haben als Reis anzubauen, müssen sie sich mit so einem geringen Lohn begnügen, der kaum für ihren Lebensunterhalt reicht, geschweige denn, dass etwas für die Familie oder zur Tilgung der Schulden übrig bleibt.

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Manche Familien versuchen auch mit einem kleinen Nebenerwerb etwas besser über die Runden zu kommen. Einige halten sich Rinder, die mangels ausreichenden Futter nur aus Haut und Knochen bestehen, andere versuchen Enten zu züchten, die aber auch gefüttert werden müssen, damit sie verkauft werden können und wer es mit einer Schweinezucht versucht hat, dem stehen die noch nicht bezahlten Ställe leer, weil von dem zu erzielende Erlös noch nicht einmal die Futterkosten, geschweige denn der Tierarzt bezahlt werden kann.

Viele versuchen auch ihr Glück mit einem kleinen Lädchen oder einer Garküche, doch auch das ist kein eitel Sonnenschein. Wer kann denn auch schon etwas kaufen, wenn er kein Geld hat? Ist der Kaufmann großzügig und schreibt an, dann läuft er seinem Geld hinterher und das fehlt dann an allen Ecken und Kanten um den Warenbestand zu halten.

Gepostet am 5 Aug 2008 um9:23 Uhr von Werner Schwalm

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Re: Reisanbau im Isaan

Beitragvon KoratCat » 16. Okt 2015, 16:22

Diese hier beschriebene Vorgehensweise beim Reisanbau sieht man auch im Isaan noch gelegentlich.
Allerdings haben die Felder nach den damaligen Landreformen doch Größenordnungen erreicht, die
eine maschinelle Bearbeitung zulassen bzw. sogar erforderlich machen. Ein einzelner Landmann könnte
das garnicht mehr händisch bewältigen.

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Also, bei uns (30km östlich von Phimai) wird grundsätzlich der Reis gesät (nicht gepflanzt), die vorbereitende
Bodenbearbeitung geschieht mit schwerem Gerät (Traktor, Pflug, Egge, rotary), geerntet wird ausschl. mit
dem Mähdrescher (Raupenfahrzeuge, die gehen auch bei Wasser in den Feldern an die Arbeit), Abtrans-
port der Ernte auf LKWs. Getrocknet wird häufig noch am Haus, jedoch wird das Erntegut auch immer
öfter direkt vom Halm weg verkauft u. dann in Großtrocknereien (z.B. direkt an der Autobahn 25km nördl.
von Khorat) behandelt.

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Bei der Landflucht der jungen Leute greift zwangsläufig diese stark mechanisierte Anbaumethode!

Grüße von Werner

Gepostet am 08 Dez 2008 03:41 von WADI


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