Thai Barbecue

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KoratCat
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Thai Barbecue

Beitragvon KoratCat » 16. Okt 2015, 15:28

Eine Spezialität der besonderen Art, die man sich nicht entgehen lassen sollte ist das Thai-Barbecue, das aus Korea importierte „Müa Xang“. So nennt Don diese Sache. Weil die Zubereitung etwas aufwendig ist und spezielle Tische dazu benötigt werden, zumal auch für einen Thai relativ teuer, immerhin ab etwa 80 Baht aufwärts, wird es nur in wenigen Restaurants angeboten.

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Thai-Barbecue ist nicht nur Essen, sondern im ganz besonderen Maße Vergnügen. Deshalb sitzen meistens mehre Personen an einem Tisch, in dessen Mitte in einem sich nach unten konisch verjüngenden Tontopf ein Holzkohlefeuer brennt.

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Meistens wird dieser Topf mit der bereits brennenden Kohle von der Bedienung gebracht und inmitten des Tisches in eine quadratische Öffnung eingesetzt.

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Dann wird über den aus dem Tisch ragenden Teil des Feuertopfs ein Blechring gestellt, der nun den Tontopf ein klein wenig überragt.

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Auf diesen Blechring setzt die Bedienung eine annähernd halbkugelförmige metallene Glocke, die mit ihrem äußeren vertieften Rand und den senkrecht verlaufenden Schlitzen der Glocke einer überdimensionalen Zitronenpresse ähnelt. Dann wird meist aus einem Kaffeekessel reichlich Wasser in den Rand der Glocke gefüllt und die Vorbereitungen sind abgeschlossen.

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Jeder Gast hat zwischenzeitlich einen kleinen Teller erhalten, auf dem er eine Gabel, einen Löffel und zwei Ess-Stäbchen findet. Jeder erhält außerdem ein oder mehrere kleine Schälchen, gefüllt mit scharfen Soßen, mit der er sein Grillgut nach Gefallen würzen kann. Das Grillgut besteht aus etwa 2 bis 3 mm dicken Fleischscheibchen von Huhn, Schwein oder Rind. Weiter aus dünnen Leberstückchen, klein geschnittenen Fisch, Shrimps und Tintenfisch. Bei der Bestellung kann man einzelne Komponenten auswählen, vorausgesetzt, man kennt die Bezeichnungen, denn nur selten findet man auf der Speisekarte Angaben in englischer Sprache.

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Das Grillgut schwimmt meistens in einer Schüssel, aus der sich jetzt jeder Gast bedienen kann. Vorher jedoch wird auf dem höchsten Punkt des Grills ein Stück fetter Speckt gelegt, so dass das bald herab laufende Fett ein Anbrennen des Grillgutes verhindert.

Weiter wird eine große Platte mit rohem Gemüse, meist auch ein rohes Ei, immer jedoch mit einer Portion Reisnudeln auf den Tisch gestellt. All diese Zutaten werden nach und nach in das sich langsam erwärmende Wasser gelegt, wo sie nach Geschmack mehr oder weniger garen können. Parallel dazu wird das Fleisch und der Fisch auch nach und nach mit den Holzstäbchen auf die Grillglocke gelegt, schön ausgebreitet, wenn es angebraten ist gewendet, mit den Stäbchen heruntergenommen, in die Soße getunkt und gegessen. Der Geruch der glimmenden Holzkohle verbindet sich alsbald mit dem Duft des Grillguts und der dampfenden Suppe und es entsteht eine unnachahmliche Duftsymbiose, die seinesgleichen sucht. Bricht gar die Dämmerung herein, leuchtet durch die Schlitze der Grillglocke das glimmende Feuer und wenn im Hintergrund gar von einer kleinen Kapelle gespielte Volksmusik erklingt, glaubt man sich als Ausländer wirklich in eine andere, beinahe unwirkliche Welt versetzt.

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Für den Ausländer, der nicht gut mit seinen Holzstäbchen umgehen kann, ist das Prozedere natürlich schwierig und manchen Fleischstückchen landet unweigerlich im siedenden Wasser. Doch keine Angst, es ist nicht verboten Gabel und Löffel zu verwenden um das Fleisch wieder auf den Grill zu platzieren. Das ist zwar nicht stilecht und manche Thai lächeln versteckt über den dummen Farang, doch es macht Spaß, sehr viel Spaß und es schmeckt wirklich köstlich.

Wegen der scharfen Soße und der abstrahlenden Wärme des Grills, wird natürlich viel getrunken und ganz besonders schmeckt zum Thai-Barbecue ein kühles Glas Bier. In fröhlicher Gesellschaft kann sich solch ein Essen über mehrere Stunden hinziehen. Es wird gegessen, getrunken und viel geschwatzt. Das Ei ist schon lange in das Gemüsewasser geschlagen, die Marinade ist auch dort gelandet, abgelaufener Fleischsaft und Fett haben sich hinzugesellt und so ist langsam eine köstliche Suppe entstanden, wie man sie auf einem Herd nie und nimmer zubereiten kann. Reicht das Fleisch nicht, kann nachgeordert werden und ist die Holzkohle verbrannt, wird von einem dienstbaren Geist nachgelegt. Verdampft das jetzt lustig kochende Wasser in der umlaufenden Rinne oder wird die Suppe ausgelöffelt, wird aus dem Kaffeekessel nachgeschüttet und eine aufmerksame Bedienung sorgt dafür, dass das Glas nie leer wird.

Thai-Barbecue, das ist Thailand pur. Wer auf diese Köstlichkeit verzichtet, hat wirklich etwas versäumt.

Nicht überall wird Thai-Barbecue wie hier beschrieben angeboten. Manchmal ist der Grilltopf nicht in den Tisch versenkt, dann befindet sich der Grill fast in Augenhöhe, man bekommt nach und nach schwere Arme und verliert die Lust. Es kann auch vorkommen, dass der Grill elektrisch betrieben wird. Das ist nicht stilecht, es kann nie so eine gute Atmosphäre entstehen, wie sie nur von einem knisternden Holzkohlefeuer ausgeht. Hin und wieder darf man sich sein Grillgut auch selber an einem Büffet zusammenstellen. Meistens ist das aber nicht mariniert, deshalb weniger schmackhaft und wegen der Lauferei kommt selten ein gemeinsames lustiges Gespräch auf. Ein solches Barbecue ist einfach nicht Sanuk, macht keinen richtigen Spaß.

Nichts ist schöner, als wenn man sich seine Fleischstückchen selber mit Essstäbchen aus der trüben Brühe der Schüssel fischt, es mühsam auf dem Grill ausbreitet, es wendet und dann auf seinen Teller bugsiert. Da kann man es mit Gabel und Löffel auseinander reißen, mit Würzsoße beträufeln und mit dem Löffel in der rechten Hand genüsslich in den Mund schieben. Während dann das nächste Stückchen auf dem Grill schmort, fischt man sich vielleicht ein par Glasnudeln oder etwas Gemüse aus der heißen Suppe oder spült sich den letzten Bissen mit einem kräftigen Schluck die lechzende Kehle hinunter.

Einmal wöchentlich besuche ich am Stadtrand von Korat mein Barbecue-Restaurant. Dafür nehme ich 20 km Anfahrt in Kauf, laufe Gefahr von den ewig hungrigen Moskitos des Gartenrestaurants als Leckerbissen erkannt zu werden und speise selber wie ein König. Die allzeit freundliche Bedienung vertreibt inzwischen bei jedem meiner Besuche die lästigen Moskitos, die jeden Thai ungeschoren lassen, mit einer glimmenden Räucherspirale, die einen angenehmen, exotischen Kräuterduft verströmt und ich gönne mir bei der untergehenden Sonne beim Klang von etwas schwermütigem Isan-Singe-Song das für mich beste Essen, was mir Thailand bieten kann.

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Bin ich nicht sprachkundiger in Begleitung, bestelle ich mir Mu Xang. Mu ist Schweinefleisch und Xang bedeutet soviel wie Grill. Fisch backt sehr schnell fest, Leber schmeckt zwar, doch ich muss auf mein Cholesterin achten und Rindfleisch bekommt man in Thailand absolut nicht weich. Also Schweinefleisch. Das ist meistens sehr mager und schnell von beiden Seiten etwas angeröstet.

Da es in Thailand zu jeder Jahreszeit schon am frühen Abend dunkel wird, brennen in meinem Gartenrestaurant schon bald bunte Lichterketten und tauchen die Bäume, Sträucher, Tische und Menschen in ein unwirkliches Licht. Leute kommen und essen, unterhalten sich und werfen mir Fremden manchmal einen neugierigen Blick zu. Nicht selten lächeln sie mich an und bedeuten mir damit, dass sie sich darüber freuen, dass sich ein Fremder in ihrem Kreis aufhält, abseits der großen, auf Ausländer spezialisierten Restaurants der lebhaften Stadt die Geruhsamkeit und Urtümlichkeit des Landes etwas vermissen lässt.

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Hier unter diesen Menschen bin ich meistens der einzige Ausländer, ein Exot und die nette Bedienung versucht sich die Zunge zerbrechend, mich mit einem „Guten Abend Herr Werner“ zu begrüßen und freut sich, wenn ich den Gruß mit vor der Brust zusammengelegten Händen und dem üblicherweise gesprochenen Sawatdee erwidere.

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