Songkran in Korat (2008)

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Songkran in Korat (2008)

Beitragvon KoratCat » 20. Sep 2015, 23:01

Songkran in Korat

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Am 13. April ist in Thailand Songkran, das Neujahrsfest. An diesem Tag wird den alten Familienmitgliedern Wasser über die Hände gegossen, die Gläubigen begeben sich Morgens in den Wat und spenden dort Speisen und am Nachmittag werden im Wat die Buddhastatuen und der Abt mit Wasser begossen. Das ist der traditionelle Teil dieses Festes.

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In vielen Orten jedoch, zumal in den Städten, beginnt nach dem traditionellen Teil dieses Festes für mehrere Tage ein buntes Treiben oder besser gesagt, eine Wasserschlacht. Selbst meine Don, die sonst keinen großen Rummel mag, wird von dem Kommenden angesteckt.

Bereits gestern saust sie zuerst mit dem Staubwedel, dann mit dem Besen und zum guten Schluss mit dem Aufnehmer durch die Wohnung. Am Wochenende ist Songkran, das thailändische Neujahrsfest. Da muss alles sauber sein. Heute ist Donnerstag und als ich am Vormittag in die Stadt fahre, um noch das eine oder andere einzukaufen, ist die Mitraparp Road, die Durchgangsstrasse in Korat, fast nicht mehr befahrbar. In einer Dreierreihe schiebt sich eine Autokarawane durch die Stadt in Richtung Nordosten. Tausende PKW, Pick-Ups und überfüllte Busse sind unterwegs und bringen ihre Insassen aus den westlichen Landesteilen heim zu Papa und Mama. Morgen beginnt das dreitägige Songkranfest, das größte Fest des Jahres und traditionsgemäß wird dieses dreitägige Fest auf dem Land im Kreis der Familie gefeiert.

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Als ich zurückkommen, zeigt das aktuelle Fernsehen auch die Autokarawanen. Gerne werden verunglückte Fahrzeuge gezeigt und immer wieder mehr oder weniger nutzlos winkende Polizisten, die gar nicht so viele Arme haben, wie sie winken möchten. Routinemäßig erscheint dann ein höherer Polizeioffizier auf der Mattscheibe, der den Autofahrern über verstopfte Straßen berichtet, Umleitungen empfiehlt und davor warnt, Alkohol zu trinken.

Bereits am Mittwoch machen sich die ersten Leute auf den Weg zu ihren Eltern und legen dabei nicht selten 1.000 und mehr km zurück. Am liebsten mit dem Wagen, denn damit kann man sein Bettzeug mitnehmen, denn das wenige, was Mama hat, reicht bei weitem nicht aus, damit die Kinder und Enkelkinder in der Nacht eine Schlafstatt haben. Deshalb sind die PKW hinten bis unter das Dach mit Bettwäsche voll gestopft, aus der gar nicht selten einige müde Kindergesichter durch die Wagenfenster schauen. Kaum ein Pick - Up rollt heute und morgen mit leerer Ladefläche über die überfüllten Straßen. Vielfach transportieren sie Liegen und Matratzen, aber auch Gebrauchsgegenstände für Papa und Mama, die es auf dem Land nicht gibt oder für Papa und Mama zu teuer sind. Es ist Songkran, das thailändische Neujahrsfest.

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Im Strom der Fahrzeuge sind die total vermummten Gestalten, die auf den Ladeflächen der offenen Wagen hocken unübersehbar. Ihnen sieht man die Strapaze der stundenlangen Fahrt an. Nicht selten schauen die Gesichter teilnahmslos unter Hüten, Kopftüchern, Mützen, umgebundenen Decken oder nur mit einem Handtuch auf dem Kopf, müde vor sich hin. Es ist Songkran. Wie in jedem Jahr wird die Tag- und Nachtgleiche am 13. April gefeiert.

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Die Parkplätze an den zwei Busbahnhöfen und den Haltepunkten der Eisenbahn in Korat sind überfüllt. Hier warten Angehörige auf ihre Angehörigen, laden sie und ihr umfangreiches Gepäck auf ihre Fahrzeuge, um sie irgendwohin zu bringen, wohin vielleicht nur zweimal oder auch kein Bus von Korat aus hin fährt. Die Begrüßung fällt oft sparsam aus, denn nicht nur die Reisenden sind nach einer langen Fahrt im überfüllten Zug erschöpft, auch die Angehörigen sind zum Teil schon viele Stunden auf den Beinen. Doch morgen sieht es besser aus. Dann ist Songkran und man hat vielleicht sogar ein par Stunden geschlafen.

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Richtig ausschlafen kann aber niemand. Spät in der Nacht tischt die Mama nach der Ankunft noch dampfenden Khao und Sam Tom auf, dann geht es zur Thaidusche auf den Hof, wo der Seifenschaum mit einer Schöpfkelle vom Körper gespült wird und so schnell wie möglich in die Heia. Die Nacht ist noch nicht vorbei, da weckt die Mama unerbittlich ihre noch müden Kinder, Schwiegerkinder und Enkel. Es ist Songkran, gleich geht es zum Wat. Sobald es hell geworden ist, werden dem Wat Reis, Obst und andere Speisen geopfert. Mancherorts bringen die Menschen sogar ein Töpfchen Sand mit und schütten es auf einen Haufen. Das ist die Gegenleistung für den Staub, den die Gläubigen im laufe eines Jahres an ihren nackten Füßen oder Schuhen aus den Wat getragen haben. Heute bringen sie ihn zurück und schmücken den zum kleinen Türmchen angewachsenen Sand mit bunten Fähnchen. Es ist Songkran, da nimmt auch der Wat daran teil.

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Wieder Zuhause bereiten die Frauen das Mittagessen zu, die Männer plauschen bei einer Flasche Bier oder etwas stärkeren Getränken mit den Nachbarn und die Kinder stromern neugierig durch die Gebäude und klettern auf das alterschwache Motorrad des Großvaters.

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Am Nachmittag geht es wieder zum Wat. Da werden der Abt und die Buddhastatuen gereinigt, indem sie mit Wasser begossen werden, dann werden Räucherstäbchen angezündet und die Buddhafiguren mit Blumenkränzen geschmückt. Der Abt hält darob eine kleine Predigt bedankt sich und entlässt seine Besucher mit den besten Wünschen für das neue Jahr. Da ist Songkran auf dem Land.
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Später kommen die Großeltern auch in diesen Genuss der Reinigung. Ihnen werden aber nur respektvoll und ehrerbietig die Hände mit parfümiertem Wasser übergossen und dann darf sich jung und alt gegenseitig mit Wasser begießen. Später dürfen alle Erwachsenen etwas Reisschnaps und oder Bier trinken. Es ist Songkran, da muss man etwas Alkohol trinken.

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Songkran, mit dem damit verbundenen Wasserspritzen ist ein Fest für alle, doch ganz besonders für die Kinder und jungen Leute. Als wir Freitag am späten Vormittag in die Stadt fahren und dem Zentrum bei Ya Mo zustreben, sind dort die Straßen rappelvoll.

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Auf und vor den Bürgersteigen reiht sich ein Verkaufsstand an den anderen. Hier decken sich die vielen Menschen mit Getränken ein und kaufen jede Menge weißen und manchmal sogar farbigen Puder. Fast neben jedem Stand stehen Plastiktonnen, die mittels Gartenschläuche ununterbrochen mit Wasser gefüllt werden. Meistens sind es kleine Kinder, die mittels Eimerchen oder Plastikschüsseln eifrig das Wasser schöpfen und mit Schwung über die meist jungen Leute auf den Ladeflächen der langsam vorbeirollenden und immer überladenen Pick Up gießen. Die jedoch revanchieren sich und schütten zurück, was das Zeugs hält.

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Dazu werden auf den Ladeflächen Wassertonnen mitgeführt, in denen nicht selten das Wasser mit Eis gekühlt ist. Es ist warm. Deshalb gar nicht angenehm, wenn man von einem Guss Eiswasser erwischt wird.

Alles geht in Stopp und Go langsam voran und wenn die endlos rollende Karawane ins Stocken gerät, springen die jungen Leute auf die Straße und schmieren den Passanten weißen Puder ins Gesicht, die sich darob natürlich revanchieren. Die Luft ist voller Gekreische und Freudenrufe und immer wenn ein Pik Up einen Lautsprecher passiert, aus dem irgendeine Musik tönt, tanzen die Menschen auf den Wagen herum, schwenken mit den Armen und verströmen pure Freude.
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Bei den etwas Älteren ist natürlich auch Alkohol im Spiel, der jedoch an diesem Vormittag noch keine gravierende Negativwirkung ausgelöst hat. Dieses fröhliche und bunte Treiben erinnert mich etwas an Rosenmontag im Rheinland. Nur werden hier keine Süßigkeiten von den Wagen geworfen. Dafür wird Wasser geschüttet was das Zeugs hält und es wird zurück geschüttet und wenn die Fässer auf den Wagen leer sind, steht irgendwo ein Tankwagen der Feuerwehr oder dienstbare Helfer haben einen Hydranten geöffnet, an dem nachgetankt werden kann.
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Als wir völlig durchnässt sind und ich der Meinung bin, genügend Aufnahmen geschossen zu haben, fahren wir über Nebenstraßen langsam wieder heimwärts. Auch an diesen Straßen stehen überall Wasserfässer bereit und jeder bespritzt jeden, der nur irgendwie in die Schusslinie kommt. Hunderte von Fahrzeugen streben immer noch dem Stadtzentrum zu, wo sich mittlerweile kaum noch ein Rad dreht, weil da die Straßen rettungslos überfüllt sind.

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Drei Tage lang hält der Trubel an. Drei Tage lang fahren und laufen die Unentwegten mit nassen Kleidern durch die Straßen, bemalen sich gegenseitig die Gesichter, beschmieren die Autos und Motorräder mit weißer Farbe und freuen sich.

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Selbst wenn unversehens ein Regenschauer versucht die Stimmung zu trüben, macht das kaum was aus. Die Menschen sind ja eh schon alle nass. Und wenn der Regen gar die angemalten Gesichter rein wäscht, macht das auch nichts. Dann ist eben Platz da, um sich gegenseitig wieder neu zu beschmieren. Das ist Songkran!

Gepostet am 5. Aug. 2008 10:04 Uhr von Werner Schwalm (†2012)

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