Sai Ngam, der heilige Banyan Baum in Phimai

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Sai Ngam, der heilige Banyan Baum in Phimai

Beitragvon KoratCat » 12. Okt 2015, 09:40

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Prolog, kann überschlagen werden

Heute ist Dienstag der 26. August 2008. Don hat nun doch endlich ihren Führerschein fürs Motorrad gemacht. Bislang ist sie einige male von der Polizei erwischt worden und kam mit 100 oder 200 Baht davon. Das sind 2, bzw. 4 Euro. Beim letzen male waren 500 Baht fällig, die sie dann am nächsten Tag im Hauptquartier der Polizei abliefern durfte.

Gestern hat sie die theoretische Prüfung abgelegt und heute darf sie also ihre Plastikkarte im Straßenverkehrsamt abholen. Na ja, sie muss nur noch eine Runde drehen und damit ihre Fahrtüchtigkeit beweisen. Gegen 8 Uhr sind wir da. Als gegen 9 Uhr der Prüfer noch nicht da ist, spricht Don mit der Dame, die für die Ausgabe des Führerscheines zuständig ist und erntet einen mitleidigen Blick.

Darauf hin kommt Don verstört zu mir und berichtet, dass sie die Fahrprüfung erst am Nachmittag ablegen kann. Warum sie aber meine Geldtasche haben will, ist mir erst einmal ein kleines Rätsel. Als sie dann aber damit auf der Toilette verschwindet, bin ich perplex. Geld für die Toilettenbenutzung? Gibt es doch nicht in thailändischen Amtsgebäuden, oder doch?

Die Sachbearbeiterin mit dem Mitleid erregenden Blick, die Don nicht aus den Augen gelassen hat, verschwindet jetzt auch auf dem WC. Eine Minute später haben sie ihr Geschäft schon erledigt und beide begeben sich zu dem Schreibtisch der Sachbearbeiterin, die jetzt emsig ihren Pc bedient. Fünf Minuten später hält Don ihren Führerschein in Händen, ohne die Fahrprüfung gemacht zu haben. Sie strahlt wie ein Honigkuchen.

700 Baht, sagt sie zu mir, als wir in unser Auto klettern. Ich sehe sie fragend an. Ja, 700 Baht und Führerschein, klärt sie mich auf. Gestern 500 Baht bei der Prüfung für Verkehrsschilder und jetzt 200 Baht für das mitleidige Angucken.

Das ist Thailand. Übrigens kann Don sehr gut fahren und beachtet gewissenhaft alle Verkehrsregeln. Nur war sie gestern bei der theoretischen Prüfung sehr nervös und hat versagt, weil sie die die vielen Fragen nicht schnell genug lesen und deshalb nicht beantworten konnte. Ihre Leseschwäche ließ sich aber mit den 500 Baht eliminieren.

Nach diesem, eigentlich nicht hier her gehörenden, Einblick in eine kleine finanzielle Transaktion in Thailand, zu dem angekündigten Banyan Baum in Phimai.

Da es heiß zu werden drohte, wollten wir vom Straßenverkehrsamt aus nach Phimai in das Nationalmuseum fahren. Das Gebäude ist klimatisiert und deshalb lässt es sich darin gut aushalten. Es ist jeden Tag von 9 bis 16 Uhr geöffnet. So steht es im Internet. Dass es montags und dienstags geschlossen ist, steht da nicht. Deshalb stehen wir bei unserer Ankunft vor verschlossenen Türen.

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Hier fängt es an

Erstaunt, ärgerlich verblüfft? Ach was, macht nichts und dann fahren wir den einen Kilometer bis zu dem größten, berühmtesten und in der Welt bekanntesten Banyan Baum in Thailand. Diese Attraktion, so steht es im Internet, die genau so bekannt ist, wie der uralte Khmertempel im Stadtzentrum, wollen wir uns jetzt anstatt des Museums ansehen.

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An einem, der hier verzweigten Flussarme des Mun steht hier auf einer Landzunge der Ficus Benjamin, wie er lateinisch genannt wird, und bedeckt komplett die ganze Halbinsel. 300 Jahre soll der Baum alt sein, der mit seinen Luftwurzeln und seinem grünen Blätterdach einen ganzen Wald bildet.

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In Erwartung dieser Sehenswürdigkeit, fahren wir alsbald längs einen mehr als 100 Meter langem Restaurant, in dem kein einziger Tisch besetzt ist. Die etwa 20 Bedienungen, die am Straßenrand stehen und uns zuwinken oder anlocken wollen, lassen aber darauf schließen, dass man hier jede Menge Besucher erwartet. Wir fahren jedoch weiter und passieren alsbald einige bunte Krimskrams Büdchen.

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Ja und? Wo ist jetzt der berühmte Baum? Don zeigt auf einen kleinen Hain an der anderen Straßenseite, der jenseits eines kleinen Wasserarms steht und siehe da, da führt über einen Holzsteg sogar ein Weg hinein.

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Aha, wir sind da. Ein Parkplatz ist schnell gefunden und wir entern über einen Steg erst einmal einen im Wasser stehenden Pavillon. Der ist scheinst nachträglich aus Anlass eines Besuches des Königspaares angelegt worden.

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Das muss aber schon lange her sein, als Bhumibol und Sirikit hier waren. So jung, so hübsch und elegant, so sieht man die beiden schon lange nicht mehr, wie sie in dem Pavillon auf den Bildern gezeigt werden.

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Vom Pavillon aus werden einige Fotos geschossen, denn von der Brüstung aus hat man einen schönen Ausblick auf eine ruhig in der Sonne liegenden Wasserfläche. Schräg gegenüber steht eine moderne Konstruktion auf einem kleinen Inselchen, welches man über eine Seilbrücke erreichen kann. Es sieht wirklich schön aus, doch als wir es später besichtigen wollen, ist der Zugang nicht möglich.

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Zwischen dem Pavillon und der begrünten Landzunge mit dem berühmten Baum ragen einige baumdicke Stümpfe aus dem Wasser. Auf jedem steht ein weißer Reiher, als ob sie auf einen vorbeischwimmenden Fisch warten würden. Ich klatsche in die Hände, doch keiner der Reiher rührt sich auf nur eine Kleinigkeit. Können sie auch nicht, denn es sind tönerne Nachbildungen, doch jeder für sich ist ein schönes Fotomotiv.

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Und jetzt beginnt unsere Besichtigung des einzigartigen Baumes. Unter Missachtung der Andenkenhändler und wartenden Damen der Großgastronomie, mit einem sich immer wiederholendem Mi au kap, also nein Danke, wagen wir uns letztlich über den kleinen Holzsteg in die Dämmerung des heiligen Banyan Baumes.

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Alsbald erfolgt eine große Enttäuschung. Zumindest sehe ich das so. Für mich handelt es sich nicht um einen einzigen Baum, sondern um mehrere Bäume, die allerdings gemeinsam ein geschlossenes Blätterdach von etwa 15.000 qm bilden. Zwar lassen auch die miteinander verschlungenen dickeren Luftwurzeln darauf schließen, dass es sich um einen einzigen Baum handeln könnte, doch ich hab da so meine laienhafte Zweifel.

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Über gepflasterte Wege kommen wir alsbald längs einem kleinen Geisterhäuschen,

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passieren einen Wahrsager, der auf Besucher wartet, die einen Blick in ihre Zukunft werfen wollen

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und lassen uns von einem Geisterbaum anlocken, der rundherum mit Blumenkränzen bestückt ist.

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Ich drücke des Öfteren auf den Auslöser und knipse, was die Batterien hergeben.

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Der nächste Stopp ist vor einem kleinen Tempelchen, wo soeben eine Frau einige Räucherkerzen angezündet hat. Das ist also das Heiligtum in diesem Hain und Don ist auch sofort am Zündeln. Haha, grinse ich innerlich, das ist der Dank für ihre neue Pappe, hüte mich aber, auch nur ein Wort über meine Gedanken auszusprechen.

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Ich bin kein Thai, ich bin kein Thai, denke ich und suche nach weiteren Fotomotiven, die ich auch am Rande des Wassers finde.

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Don ist mit ihrer Andacht schell fertig und da wir beide durstig und hungrig geworden sind, gehen wir langsam wieder zurück. Bei einem Andenken Lädchen bleibt Don stehen und sieht neugierig in einige Eimer und große Schüsseln. Hier bewegen sich im seichten Wasser kleine und größere Schildkröten, Fischchen, dicke und dünne Aale, Muscheln und Tömtönnit. Tömtönnit ist ein Wort aus meiner frühen Kindheit, als ich noch nicht richtig sprechen konnte und bedeutet soviel wie, das kenne ich nicht oder das weiß ich nicht. Also, hier sehe ich so lurchähnliche Tiere, die auch meine Frau noch nie gesehen hat. Das alles sind Tiere, die man kaufen kann und sie dann ins Wasser setzt. Das ist Tambun, man tut gutes, weil man den Tieren ihre Freiheit wieder gibt.

Wir tun nichts gutes getan, denn wir haben Hunger und wollen so schnell wie möglich ins nahe gelegene Phimai, denn da kennen wir in der Nähe des Khmertempels ein hervorragendes Restaurant, wo es noch keine Touristenpreise gibt.

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Ob wir noch einmal hier herkommen, wenn wir in Phimai sind? Ich glaube es nicht! Erstens sind wir keine Botaniker und zweitens gefallen uns die Bäume und Gewässer in den Urwäldern der Nationalparks besser. Na ja, und auf Luftwurzeln, von denen die meisten auf Betonstützen und Querbalken liegen, können wir verzichten.

Das ist eben Thailand. Auch hier macht Übertreibung anschaulich. Jede Kleinigkeit wird schnell zu einer Attraktion hochgejubelt, um einheimische Besucher und Touristen anzulocken. Hängt man dem Ganzen dann auch noch ein buddhistisches Mäntelchen um oder deklariert einen etwas unheimlich wirkenden Platz als Wohnort beachtenswerter Geister, dann wechselt hier schnell mancher Baht den Besitzer.

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Als wir in die Stadt fahren, halte ich außerhalb des Wäldchens noch einmal an, denn von hier aus hat man noch einen schönen Blick auf den Sai Ngam.

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Doch diese kleine Hütte am Wasserrand, die schon nicht mehr zu der Attraktion gehürt, hat mir am besten gefallen.

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Das darf ich aber meiner Frau nicht sagen, denn sie hält sich für das schönste Fotomotiv.

Gepostet am 27. Aug. 2008 10:08 von Werner Schwalm

KoratCat
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Sai Ngam auch in Korat

Beitragvon KoratCat » 12. Okt 2015, 10:40

Wer einen Sai Ngam, also einen Banyan Baum beträchtlichen Ausmasses, sehen möchte, wird auch in der Umgebung von Korat fündig und muß nicht die weite Reise nach Phi Mai machen. Nicht ganz so riesig in den Ausmassen, und von Kühen mehr besucht als von Touristen, ist aber auch dieser Baum einen Ausflug wert. Und weils ja nicht so weit ist kann man wahrscheinlich die 3-Stunden-Regel gut einhalten :wave

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Gepostet am 15. März 2009 um 23:27 Uhr von Kurt Singer

Anmerkung von Admin:

Nach Auskunft der Betreiberin des Korat-Weekends-Blogs befindet sich der "Sai Ngam Charoem Phra Kiat" im Dorf Ban Mai, Tambon Tha Chang, Amphoe Charoem Phra Kiat. Er soll nicht weit vom Mun River sein. Am besten sei, ins Zentrum von Tha Chang zu gehen und dort nachzufragen.


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