Das Töpferdorf Dan Kwian

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Das Töpferdorf Dan Kwian

Beitragvon KoratCat » 12. Okt 2015, 08:31

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In kaum einem Reisebericht über den Isaan und in keiner Beschreibung über Korat, der Hauptstadt der Provinz Nakhon Ratchasima, fehlt ein Bericht über das Töpferdorf Dan Kwian. Die Ursprünge dieses heute etwa 600 m langen Straßendorfes liegen wie so vieles in Thailand im dunklen. Vermutlich wurden hier schon vor 400 bis 500 Jahren Tonwaren für den täglichen Gebrauch hergestellt. Die Verbreitung dieser sehr haltbaren Gefäße erfolgte früher mittels Ochsenkarren über die Handelsstraße, die von Korat kommend in den Osten nach Buri Ram, Surin und in das heutige Kambodscha führte. Der Name Dan Kwian bedeutet sinngemäß Ochsenkarren Ladepunkt. Demnach wurden hier die leer heimfahrenden Karren mit Tonwaren beladen, die dann unterwegs oder am Heimatort verkauft wurden.
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Tonwaren aus Dan Kwian waren und sind heute noch sehr beliebt, weil nur bei diesem Ort ein roter Ton vorkommt, der sich besonders gut verarbeiten lässt und nach dem Brennen überaus haltbar ist. Wurden früher nur rotbraune Töpfe und Tiegel verkauft, hat sich heute das Bild sehr gewandelt. Es gibt sie zwar noch, die rohen tönernen Töpfe, doch besteht die Menge des Angebotes aus bunt bemalten Figuren, Reliefen, Kacheln, Vasen, Lampen, Springbrunnen, Windspielen und tönernen Schmuck.

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Trotzdem die Menge der Figuren ein Einheitsgesicht tragen, was auf eine Massenproduktion hinweist, findet man bei genauem Hinsehen aber auch noch Einzelstücke, die nach alter Technik gefertigt, individuelle Einzelstücke sind. Mit etwas Glück kann man bei einem Rundgang links und rechts der Straße, die von Korat nach Chok Chai führt, sogar noch die alte Handwerkskunst bewundern oder man entdeckt einen der kleinen alten Brennöfen.

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Die Hersteller all der vielen Dekorationsstücke sind durchweg kleine Familienbetriebe, von denen jeder sein eigenes Programm entwickelt und sich darauf spezialisiert hat.

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Kunst oder Kitsch, darüber kann man sich beim Anblick der vielen Einzelstücke oder der gleichförmigen Massenware streiten. Man findet hier beides, fröhlichen Kitsch und künstlerisch gestaltete Elemente, die in Thailand ihresgleichen suchen. Leider sind viele der schönen Stücke zu schwer, um sie als Andenken im Reisegepäck mit zu nehmen, deshalb haben sich einige Händler darauf spezialisiert, den Versand der Tonwaren ins Ausland zu arrangieren und es gibt sogar Aufkäufer, die sich ihre Bestellungen Containerweise via Bangkok in ihr Heimatland verschiffen lassen.
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Wie überall in Thailand, darf man auch hier den Preis herunter handeln. Die Konkurrenz ist beinahe genau so groß, wie das angebotene Sortiment und jeder Händler freut sich, wenn er etwas verkauft. So habe ich beispielsweise zwei einen Meter hohe tönerne Tempelwächter im chinesischen Stil gekauft, die mir als reicher Farang 5.500 Baht kosten sollten. Don, meine Lebensgefährtin hat diese schönen und seltenen Stücke dann auf 2.500 Baht herunter gehandelt und ich habe mich etwas geschämt.

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Trotzdem, die Händlerin war zufrieden und wenn ich hin und wieder mal wieder durch das Dorf wandele, um vielleicht etwas schönes zu entdecken, freut sie sich, wenn sie mich sieht und zeigt mir beflissentlich ihre neunen Schätze.

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Von Korat aus kommend, fahren Sie mit dem Bus nach Chok Chai und sagen Sie dem Fahrer, sie möchten zur Pottery Dan Kwian.

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Er wird an der richtigen Stelle anhalten.

Gepostet am 30. Juli 2008 um 11:50 Uhr von Werner Schwalm

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Re: Das Töpferdorf Dan Kwian

Beitragvon KoratCat » 12. Okt 2015, 08:39

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Heute schauen wir einmal etwas hinter die Kulissen von Dan Kwian, dem Töpferdorf vor den Toren Korats.

Touristen sind hier nicht gerne gesehen, denn sie stören bei der Arbeit. So wird es uns in den Verkaufsstellen an der Hauptstraße von Korat nach Chok Chai gesagt. Don ist enttäuscht, denn sie möchte doch so gerne einmal sehen, wie und wo die vielen Kunstwerke entstehen, die hier zu tausenden angeboten werden.

Mich interessiert das auch, denn die hübschen Tonschalen und etwas eigenwilligen Figuren sehen mehr nach einer industriellen Massenproduktion, als nach einer individuellen Anfertigung von Hand aus.

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Da in uns der Hunger nagt, verzehren wir an einem Stand erst einmal etwas khaau lham. Das ist Klebereis, der mit Kokosnuss-Saft und einer mir unbekannten Frucht in Bambusstücke gefüllt ist. Über einem Holzkohlefeuer wird das ganze erhitzt und schmeckt vorzüglich.

Derart gestärkt fahren wir in den nahe gelegenen Ort Dan Kwian und halten Ausschau, nach den Tonwarenmanufakturen, die wir aber nicht finden. Zuerst nicht, dann doch, fallen mir zwischen den Häusern die über herumliegenden Erdhaufen und Holzstapel auf.

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Sollte das etwa das Roh- und Hilfsmaterial sein?

Wir fahren von der engen Straße erst einmal in einen Hof, wo wir einige Frauen auf der Erde hocken sehen.

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Wir sind richtig. Diese Frauen sind dabei auf ungebrannten Tontöpfen Verzierungen einzuschneiden. Sehr geschickt machen die Frauen das, als ob sie im Akkord arbeiten würden. Jeder Handgriff sitzt und jeder fertig gestellte Topf sieht aus, wie der andere.

Noch sieht man nicht, wie sie später einmal aussehen, doch wir ahnen anhand der eingeritzten und eingeschnittenen Ornamente, dass an den bearbeiteten Stellen später einmal grünes Blattwerk zu sehen ist.

Don fragt, ob ich fotografieren darf und die Frauen haben nichts dagegen. Dann fragt sie, ob es noch mehr hier zu sehen gibt, worauf eine Frau mit dem Arm herumschwenkt und Don erklärt, ringsherum könnten wir noch viel mehr sehen.

Ringsherum stehen zwischen den Erdhaufen überall Häuschen, Hütten und Schuppen und überall wird gearbeitet.

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In der nächsten Hütte sehen wir, wie aus einem Erdklumpen, besser gesagt aus dem besonderen Ton, den es nur in Dan Kwian geben soll, auf einer sich drehenden Scheibe von Hand geformt, Vasen entstehen.

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Dann entdecken wir den ersten Brennofen. Das ist ein halbkugelförmiges, aus Ziegeln gemauertes Gebilde, mit einer Öffnung, aus der beißender Rauch von brennenden Baumstämmen quillt. Ist das Holz in der Öffnung abgebrannt, wird es von außen nachgeschoben, so dass die Hitze in dem Ofen erhalten bleibt.

Drei Tage dauert der Brennvorgang, dann kann er geleert und wieder neu gefüllt werden. Mit welcher Temperatur gebrannt wird, kann uns niemand verraten. Das ist eben seit vielen Jahren so und es funktioniert hervorragend, verrät uns ein älterer Mann, der die Arbeit einiger junger Burschen mit wachen Augen kontrolliert.

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In der nächsten Hütte sehen wir, wie von einem Töpfer große Schalen hergestellt werden. Wir verbleiben hier etwas länger und sehen, wie aus einem weichen Tonklotz in wenigen Minuten eine große Schale entsteht, die dann von einem Gehilfen zum vortrocknen in die Sonne gestellt wird.

Sechzig Stück formt er jeden Tag mit seinen geübten Händen, erzählt er Don und freut sich darüber, dass da ein Farang ist, der es in dem halbdunklen Schuppen immer wieder blitzen lässt.

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Etwas später sehen wir, wie profilierte Tontafeln geformt werden. Inmitten hunderter ungebrannter Täfelchen, die schön in Reih und Glied ausgebreitet sind, sitzt eine Frau und hält zwischen den Beinen eine Form. Die füllt sie mir Ton, klopft diesen fest in die Matrize, streicht das überschüssige Material ab, hebt das Tontäfelchen vorsichtig heraus und wieder ist ein Rohling fertig, den man als Wandverkleidung in vielfältiger Ausfertigung in machen Klöstern und an vielen Häusern in und um Korat bewundern kann.

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Hausarbeit, sagt Don zu mir und kann sich nicht satt daran sehen, wie fleißig und emsig die Menschen hier ihren täglichen Reis verdienen.

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Haben Sie bereits gewusst, wie die schönen Reliefs auf die Großen Schalen und Vasen kommen? Wir haben das Geheimnis herausgefunden. Die werden ganz einfach in einer Matrize geformt, ähnlich wie die Tontäfelchen, nur etwas flacher. Dann werden die leicht zerbrechlichen Ornamente unterseitig mit flüssigem Ton benetzt und auf die ebenfalls noch feuchten Schalen usw. gepappt.

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Irgendwo knattert ein Motor und lockt uns an. Der treibt eine wagerechte Presse an, in der der Ton durchgemischt und die erforderliche Menge Wasser erhält, damit er anschließend verarbeitet werden kann.

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Und selbstverständlich stehen hier zwischen den Hütten und Wohnhäusern auch malerische Geisterhäuschen. Was sein muss, muss eben sein, denn ohne die Wachsamkeit der Geister könnten die Brennöfen ausgehen oder all die rohen Tonwaren vor dem Brennen oder auch im Brennofen auseinander fallen.

Gepostet am 19. Jan. 2009 um 18:13 Uhr von Werner Schwalm


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