Der Lam Takhong Staudamm

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Der Lam Takhong Staudamm

Beitragvon KoratCat » 10. Okt 2015, 13:28

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Am Lam Takhong Staudamm I

Ein Blick auf die Landkarte der Provinz Nakhon Ratchasima zeigt, dass sich im Süden dieser Region, die von einem lang gestreckten Gebirgszug begrenzt wird, einige Staudämme befinden. Der bekannteste und größte ist der Lam Takhong Dam etwa 60 km westlich von Korat zwischen Sikiu und Pakchong, direkt am Friendship Highway, der Fernstraße Nr. 2 gelegen.

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Tausende von Menschen passieren ihn Tag für Tag, doch nur wenige Fahrer halten hier an, um sich in einem der vielen Restaurants etwas zu erfrischen und noch weniger benutzen die Gelegenheit eine längere Pause einzulegen um auch den in unmittelbarer Nähe liegenden 40 m hohen und 250 m langen Staudamm anzusehen.

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Anfang Februar, habe ich endlich Zeit, habe Don in den Wagen gepackt und bin dort hin gefahren. Am Ende des Staudammes wenden wir, um auf die am Ufer gelegene Straßenseite zu gelangen. Straßenseitig ist eine lange Uferstrecke mit allseitig offenen Restaurants gepflastert, in denen man direkt über dem tiefer gelegenen Ufer sitzen und auf den See blicken kann.

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310 Mio. cbm beträgt das Fassungsvermögen des Staudammes, doch ist er nur nach der Regenzeit bis zum Rand gefüllt, dass zum größten Teil aus dem Khao Yai Naturschutzgebiet kommt. Jetzt, in der Trockenzeit scheint er noch gut gefüllt, doch am Staudamm sehen wir später, dass bis zum Höchststand schon etwa 8 m fehlen.

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Irgendwann weichen die Restaurants einem großen Rastplatz. Hier sieht es sauber und gepflegt aus. Inmitten des zu dieser Jahreszeit trockenen Rasens steht unübersehbar eine Statue der Ya Mo, der Schutzpatronin der Stadt Nakhon Ratchasima.

Über den Grund kann ich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht wacht sie hier über den See, denn der ist das Trinkwasserreservoir dieser Stadt, oder sie steht hier, weil man von Bangkok kommend sich jetzt im Isaan befindet, wo Ya Mo, an der an anderer Stelle noch berichtet wird, von der Bevölkerung eine große Verehrung erfährt.

Leider ist es etwas diesig, so dass die Sicht nicht gerade die beste ist und ich befürchte, dass meine Aufnahmen entsprechend ausfallen. Don möchte auch mal mit aufs Bild. Ihre große Handtasche muss auch mit drauf. Die legt sie nicht aus der Hand, weil sie darin ihre Barschaft mit herumträgt und ich darin auch meine Geldtasche und mein Handy untergebracht habe.

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Die Aufnahme schieße ich von der Touristinformation, die wenige hundert Meter weiter liegt. Diese offizielle Einrichtung befindet sich in einem architektonisch wirklich schönen Gebäude. Meine Hoffnung, hier Informationsmaterial über den Staudamm zu erhalten, erfüllt sich nicht. Außer einem Prospekt vom weit entfernt liegenden Nakhon Ratchasima Zoo und einigen Ansichtskarten aus anderen Gebieten Thailands, gibt es hier nur einige alte Tonkrüge zu sehen, jedoch keine Touristinformation über den Staudamm.

Etwas enttäuscht fahren wir weniger hundert Meter weiter. Da lese ich an einer Einfahrt etwas von Elektrizität. Zu sehen gibt’s eigentlich nichts, doch ich fahre einfach mal auf das an und für sich gesperrte Gelände. Don muss allerdings an einem Schlagbaum erklären, was wir hier wollen. Ich verstehe fast kein Wort. Don palavert irgendetwas von Farang Jöremann und Internet, dann schreibt der Wächter unsere Namen in eine dicke Kladde, grüßt militärisch und wir dürfen passieren.

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Als ich nichts besonders auf oder an dem hier mit einer Mole versehenen Wasser entdecke, lenkt Don meine Aufmerksamkeit auf einen bergseitig stehenden Torbogen. Was ist denn das? Als wir dort hinein wollen, werden wir freundlich aber bestimmt abgewiesen. Geheime Kommandosache? Nein, Lam Takhong Hydro Plant steht da geschrieben. Da fällt es mir ein, irgendwann habe ich mal etwa von einem großen unterirdischen Pumpspeicherwerk im Isaan gelesen und da sind wir jetzt.

Von hier aus geht es scheinbar durch einem Tunnel unter der Autostraße zu den technischen Einrichtungen. Schade, wir müssten schon ein hohes Tier kennen, um uns da mal umsehen zu dürfen. Don, die so etwas wie hier noch nicht gesehen hat, interessiert sich für den Backround dieser Anlage und ich versuche es ihr eine Erklärung zu geben.

Ein Pumpspeicherwerk hat immer einen oberen und einen unteren Speichersee die mit Rohren miteinander verbunden sind. Unten münden diese Rohre in einem Kraftwerk, dass hier am Lam Takhong unterirdisch angelegt, und deshalb nicht zu sehen ist.

Hier verläuft ein Rohr mit 6,8 m Durchmesser über 1.430 Meter bis zu dem Becken, in dem in der Nacht das Wasser hoch gepumpt wird. Tagsüber, wenn der Stromverbrauch hoch ist, läuft dann das Wasser durch ein Rohr mit 6 Meter Durchmesser, welches nur 651 Meter lang ist, direkt mit starkem Gefälle ins etwa 500 Meter tiefer liegende Tal und treibt hier 4 Generatoren an, die neuerdings über 8 Stunden 1.000 MW Strom für die Städte Korat und Saraburi liefern.

Das Wasser läuft danach wieder in den Hauptsee und wenn die Elektrizitätsgesellschaft nachts aus ihren konventionellen Kraftwerken kommenden Strom nicht verkaufen kann, wird damit eine Pumpe betrieben, die das benötige Wasser für den nächsten Tag wieder in den oberen Stausee pumpt.

Don begreift das alles nur Bruchstückweise, deshalb erzähle ich ihr nichts davon, dass dieses Verfahren immer mit Verlust verbunden ist. Wegen der benötigen Energie für den Pumpbetrieb, lassen sich nur etwa drei Viertel Energie zurück gewinnen. Solche Anlagen sind aber trotzdem sinnvoll, denn so lässt sich nachts das verloren gehende Überangebot an Strom, tagsüber in gut bezahlte Spitzenenergie umwandeln.

Das Reservoir können wir leider vom Tal aus nicht sehen und da mir das auch nicht wesentlich erscheint, gebe ich mir auch keine Mühe, es zu finden. Wir fahren weiter, um zum Damm des Stausees zu kommen. Von der Nationalstraße Nr. 2 geht es links ab. Wieder werden wir angehalten und nach dem Grund gefragt. Wieder erzählt Don dem Wächter die Geschichte von dem Mann aus Jöremann, der für Deutschland über den Isaan berichten will und der Schlagbaum wird sofort geöffnet.

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Nach etwa 2 km sind wir am Damm angelangt. Den Wagen müssen wir vor dem gepflegten Gelände stehen lassen und begeben uns auf Schusters Rappen. Hier herrscht eine himmlische Ruhe. Noch nicht einmal ein Tourist hat sich außer uns an diesem Montag hierher verlaufen. Direkt am Damm steht ein Betonturm im Wasser, von dem aus die Schieber für den Ablauf bedient werden. Nichts Besonderes? Doch! Beim Näher kommen sehe ich es. Die schweren Schieber werden doch tatsächlich wie bei uns in Altvätersitte per Hand über ein Differenzial bedient und das, obwohl wenige hundert Meter oberhalb jede Menge Elektrizität zur Verfügung steht.

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Der Lam Takhong Staudamm dient nicht nur der Stromerzeugung und der Wasserversorgung der Stadt Korat.

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Im weiteren Verlauf sorgt der Fluss in der Trockenzeit auch für die Bewässerung von Reisfeldern und in der Regenzeit trägt er dazu bei, Überschwemmungen im Verlauf des Flusses Mun zu verhindern.

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Da das Wasser des Lam Takhong sehr sauber und nährstoffreich ist, dient es den unterhalb des Dammes auch der Fischzucht und sichert vielen Familien ein geregeltes Einkommen.

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Weitsichtige Leute rechnen damit, dass sich im Gebiet des Stausees der Tourismus entwickeln wird. So soll zum Beispiel unterhalb des Dammes der Lam Takhong mit Flössen befahrbar sein.

Leider habe ich trotz intensiver Suche nichts dergleichen gefunden. Auch müsste man vielleicht Bademöglichkeiten schaffen, Wanderwege und eine bessere Restauration anlegen. Kurzum, die Gegend sollte um einiges attraktiver gestaltet werden.

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Solange die einzige Restauration in Dammnähe so aussieht, wie wir sie heute vorgefunden und trotzdem etwas gegessen haben, wird hier wohl schwerlich ein Erholungsgebiet entstehen.

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Selbst Don, die nicht gar so empfindlich ist, meidet dieses Restaurant und kauft ihre Zwischenmahlzeit später an der Straße.


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Lam Takhong II Pumpspeicherbecken

Irgendwie und irgendwo hat es mich gezwickt, damals bei meinem Besuch des Lam Takhong, dass ich mir nicht den Stausee des Pumpspeicherwerks angesehen habe. Immer, wenn ich aus Bangkok kommend, von der Autobahn aus oben auf dem Berg ein Teil des Staudamms dieses Wasserbeckens sehe, ärgere ich mich über mein Versäumnis.

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Um mich zukünftig nicht weiter zu ärgern, bin einfach dort hin gefahren. Entgegen meiner Annahme, dass der Weg dorthin schwierig sein würde und man vielleicht überhaupt nicht bis in die Anlage fahren darf, habe ich mich geirrt. Von Korat aus kommend, geht es in Höhe der großen Strafanstalt, also kurz bevor man rechts den Staudamm des Lam Takhong erreicht, links ab. Hinweisschilder gibt es da allerdings keine. Etwa 5 km fahren Don und ich über eine steil ansteigende Piste bis zum Fuß dieser Anlage. Ein freundlicher Wachmann hält meinen Führerschein ein, überreicht mir einen Plastikchip der thailändischen Elektrizitätsgesellschaft und wir dürfen den Schlagbaum passieren.

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Noch einige hundert Meter und wir erreichen die Krone dieses künstlichen Sees. Nach zweihundert Meter ist nichts mehr mit dem Fahren. Hier ist ein Parkplatz und ein kleines Verkaufsbüdchen. Von hier aus geht es nur noch auf Schusters Rappen weiter.

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Viel zu sehen ist hier eigentlich nicht. Man sieht ein großes beinahe quadratisches Wasserbecken, welches voll und ganz mit Kunststoffbahnen ausgeklebt ist. Heute ist es nur zum Teil gefüllt und der Wasserspiegel liegt deshalb etwa 10 Meter unter dem möglichsten Höchststand.

Eigentlich genügt ja ein intensiver Rundblick und man hat die Anlage gesehen, doch Don will sich auf der etwa 8 Meter breiten Dammkrone die Beine vertreten. OK, bis zur der Buddhastatue, von wo aus man hoffentlich einen Ausblick auf den im Tal liegenden Stausee hat, will ich mitgehen.

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Als wir da angelangt sind, eröffnet sich uns ein wunderschöner Blick auf den oberen Teil der Talsperre.

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Leider ist es etwas dunstig, deshalb werden meine Fotos von der unter uns liegenden Landschaft entsprechend trübe ausfallen.

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Hier oben weht heute ein frischer Wind und Don freut sich über die kühlende Luft. Wenn es in Korat einmal wieder richtig heiß ist, dann will sie mit mir sogar wieder hier her fahren, um den ganzen Tag über in der kühlen Luft zu sein. Na ja, mal sehen, ob ich mich dazu bewegen lasse.

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Wir trotten weiter und der sich immer wieder aufs neue auftuende Blick in die nähere und weitere Umgebung entschädigt mich für meine etwas mühselige Beinarbeit.

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Dieser Spaziergang auf der Dammkrone ist nur zur Hälfte eintönig. An der Wasserseite sieht man zwar nur immer den Begrenzungszaun, die schwarze Plastikbespannung und die kleinen vom Wind erzeugten Wellen des Wassers, doch auf der anderen Seite gibt es immer wieder wunderbare Fotomotive.

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Etwa 2,5 km haben wir abgerissen, als wir unseren Rundgang beendet haben und wieder am Parkplatz sind.

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Hier gibt es ausser dem Kiosk einige Tische und Stühle, eine defekte Toilette. Wenn wir also doch noch einmal hier her kommen um die dann hoffentlich frische Brise zu genießen, müssen wir uns Speis und Trank, in Ermangelung eines Restaurants, selber mitbringen.

Noch ein Blick auf die unter uns liegende Landschaft und es geht wieder heim.

Gepostet am 30. Juli 2008 um 10:49 von Werner Schwalm

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