Prasat Hin Muang Tam

Für kulturelle Erlebnisse
KoratCat
Site Admin
Beiträge: 97
Registriert: 18. Sep 2015, 21:19

Prasat Hin Muang Tam

Beitragvon KoratCat » 8. Okt 2015, 14:09

Gepostet am 27. Juli 2008 um 17:37 Uhr von Werner Schwalm:

Bild

Es ist leicht bewölkt, als wir Mitte Februar 2008 von Korat aus mit unserem Besuch gen Osten fahren, um uns in der Provinz Buriram die Khmerbaudenkmäler Prasat Hin Phanom Rung und Prasat Hin Muang Tam anzusehen. Als wir zu ihrem Hotel kommen, warten Kerstin und Michael um 7.00 Uhr schon vor der Tür, so dass wir ohne Zeitverzögerung gleich los fahren können.

Don rückt auf dem Rücksitz unseres Pick-Up in eine Ecke, denn Kerstin hat etwas Mühe ihre langen Beine unterzubringen. Sicher, im Bus nach Surin würde sie etwas bequemer sitzen, doch ob der Fahrer auch in Ban Tako an der Nationalstrasse 24 halten würde, wo es dann die letzen 18 km bis zum Prasat Hin Phanom Rung mit einem Motorradtaxi weiter geht, da hat sie doch Bedenken. Kerstin und Michael kennen sich nicht aus und sind deshalb froh, mit uns fahren zu können.

Sie haben recht getan, denn als wir eine gute Stunde später die 120 km über gut ausgebaute Straßen in Ban Tako angelangt sind, ist von einem Motorradtaxi weit und breit nichts zu sehen. Erst über die 2117, dann weiter über die 2221 geht es von hier aus weiter zu unserem ersten Ziel.

Da ich über Phanom Rung bereits berichtet habe und ein Jahr später keine wesentliche Veränderungen sichtbar sind, mache ich jetzt eine kleine Schreibpause und warte, bis unser Besuch mit der Besichtigung dieses Khmer-Baudenkmals fertig ist.

Bild

Noch freudig erregt, von den vielen Eindrücken, klettern beide wieder zu uns in den Wagen. Dann geht es die steile und kurvenreiche Straße hinab in die Ebene, wo wir die jetzt gut ausgeschilderten Landstraße nehmen, die uns nach etwa 8 km zum Prasat Hin Muang Tam, bzw., wie die Thailänder auch sagen, Prasat Meung Tam führt.

Bild

Ban Kok Mueang, heißt das Dorf, in dessen Mitte sich das etwa 115 x 140 m messende Bauwerk am Rande eines Parks befindet. Parken können wir in etwa 100 m Entfernung und dann geht es vorbei an einigen Ständen, an denen bunter Kitsch angeboten wird, vorbei an der Touristinformation zum Parkeingang, wo wir an dem kleinen Kassenhäuschen 30 Baht Eintrittsgeld pro Person abliefern. Don strahlt genüsslich, denn sie als Einheimische löhnt nur 10 Baht.

Bild

Etwa 150 m gehen wir durch den Park und dann stehen wir unvermittelt vor den Außenmauern des ehemals brahmanischen Heiligtums. Direkt vor uns geht es einige Stufen hinauf und wir passieren durch das östlich gelegene Tor die aus schweren roten Lateritblöcken errichtete Außenmauer.

Bild

Wie immer, wenn ich solch eine Stätte betrete, erfasst mich auch heute wieder die Ehrfurcht vor dem, was hier vor etwa tausend Jahren unter großen Anstrengungen errichtet wurde und ich versuche mir vorzustellen, wie die Menschen damals, nicht nur festlich gekleidet waren, sondern auch mit welcher Andacht die hier stattgefundenen Zeremonien abgehalten wurden.

Bild

Bild

Zwischen der Außenmauer und der Sandsteinmauer, die den inneren Teil umschließt, befinden sich vier winklig angelegte Teiche, die mit Lotosblüten bewachsen sind und zum Verweilen einladen. Betritt man dann den inneren Teil, erblickt man auf Lateritsockeln errichtet, fünf aus roten Ziegeln gemauerte Chedis, von denen der mittlere leider nicht ganz rekonstruiert werden konnte.

Bild

Auch Muang Tam ist ein brahmanischer Tempel, wie sich unschwer an den erhaltenen Skulpturen erkennen lässt. Er liegt an der mutmaßlichen antiken Verbindungsstrasse, die Phimai mit Angkor verbunden haben soll. Wahrscheinlich, weil Muang Tam nicht sehr weit von Phanom Rung entfernt liegt, wird dieser Ort auch als Unterstadt von Phanom Rung bezeichnet.

Bild

Dieses Bauwerk wurde im 10ten und 11ten Jahrhundert von den brahmanischen Herrschern des damaligen Königreichs Kamputscheas errichtet. Diese Herrscher ließen unter Einsatz von Sklaven auch an vielen anderen Orten des heutigen Thailand solche sakralen Bauwerke errichten, um der Nachwelt ein Dokument ihrer Macht zu hinterlassen.

Bild

Mit dem Vordringen des Buddhismus schwand die Macht der kamputscheanischen Gottkönige. Die Monumente wurden von den Menschen verlassen und versanken für Jahrhunderte in dem sich wieder ausbreitenden Dschungel. Erst als sich während der französischen Kolonialzeit in Südostasien europäische Archäologen für diese kulturellen Bauten interessierten, wurden sie langsam der Vergessenheit entrissen.

Bild

Die ansässige Bevölkerung, die bis dahin aus Angst vor Geistern diese Bauten gemieden hatten, plünderten nun die Ruinen, um die interessanten Stücke an europäische Liebhaber und Musen zu verhökern. Was sich im Dschungel über mehrere Jahrhunderte erhalten hatte, wurde nun gedankenlos zerstört.

Bild

Auch Muang Tam blieb von den Räubern nicht verschont. Doch immerhin zeugen die vier von Naga-Schlangen umfassten Teiche und einige erhalten gebliebene Türstürze, auch Lintel genannt, unter ihnen auch ein besonders schönes mit der Abbildung des Hindugottes Krishna, von der ehemaligen Pracht dieses Tempels.

Bild

Kerstin, Michael, Don und ich sind begeistert und es wird fotografiert, was die Linse hergibt. Don ist von dem Anblick ergriffen und stolz darauf, dass in ihrem Heimatland so ein schönes Bauwerk steht. Thai mak, schön, versucht sie uns ihre Beigeisterung zu übermitteln. Als sie dann aber von uns erfährt, dass die damaligen Kambodschaner und nicht die Vorfahren der heutigen Thais die Erbauer all der alten Tempelanlagen im Isaan sind, ist sie etwas enttäuscht.

Bild

Muang Tam, das ist Stille, die zum Verweilen und Ausruhen einlädt. Hier ist es nicht so betriebsam, wie in Phimai oder Phanom Rung. Die Anlage ist bedeutend kleiner, wie die ihrer weltbekannten Brüder und doch nicht ohne individuellen Reiz. Deshalb sind wir froh, dass wir auch hier gewesen sind.

Bild

Manch einer im fernen Deutschland wird vielleicht sagen, dass die von mir geschilderten Sehenswürdigkeiten insgesamt doch nur wenige bunte Tüpfelchen in der endlosen und eintönigen Weite des Isaan sind. Lohnt es sich überhaupt die Mühe auf sich zu nehmen und die Kosten aufzubringen, um hier her zu kommen?

Bild

Wenn ich jedoch ins Kalkül ziehe, welche Anstrengungen Thailand heute unternimmt, um die wenigen Kulturgüter auf seinem Territorium zu pflegen und zu erhalten um sie, mit nicht unberechtigtem Stolz, Besuchern aus anderen Ländern zeigen zu können, dann meine ich, dass jeder Besucher Thailands, der sich vorzugsweise an den schönen Stränden erholt, auch einmal die Kleinode in der tiefen Provinz besuchen sollte um damit diesem Land seine Referenz zu erweisen.

Zurück zu „Sehen und Erleben“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste